Abschiedsrituale

Wenn man sich als Mensch auf ein Ritual einlässt, kann dieses sehr viel Halt geben. Besonders in schweren Lebensphasen wie der Trauer können diese neuen oder alten Bräuche den Zusammenhalt unter den Angehörigen stärken und bei der Verabschiedung helfen. Religiöse Trauerfeiern sind seit jeher von Riten geprägt, aber auch für weltliche Bestattungen oder die Abschiednahme am offenen Sarg bieten sich verschiedene Abschiedsrituale an.

Der Abschiedsbrief

Ein Brief ist eine sehr persönliche Angelegenheit. Der Autor kann sich seinen Schmerz von der Seele schreiben, aber auch Trauer, Wut, Verzweiflung, Schuldgefühle und alles, was zu Lebzeiten nicht ausgesprochen werden konnte, darf hier einen Platz finden. Wenn ein Mensch das Bedürfnis verspürt, einen Abschiedsbrief zu schreiben, sollte er diesem Impuls unbedingt folgen. Es ist nicht notwendig, den Brief laut vorzulesen. Im Rahmen einer Abschiednahme am offenen Sarg können Sie den Brief dem Verstorbenen mit auf den Weg geben. Sie können den Brief aber auch verbrennen, ins Grab legen oder selbst aufheben.

Sarg bemalen

Im Gegensatz zum Abschiedsbrief, den man in der Regel alleine verfasst, ist die Bemalung des Sarges ein gemeinschaftliches Ritual. Wenn der Verstorbene ein sehr künstlerischer Mensch war oder diese Ausdrucksweise besonders gut zu seinen Angehörigen passt, kann dieser kreative Akt für alle Beteiligten eine sehr schöne Erfahrung sein. Auch wenn ein Kind oder Jugendlicher verstirbt, finden viele seiner Familienmitglieder und Freunde Trost in diesem Ritual. Gemalte Bilder auf dem Sarg, aber auch Worte des Abschieds und letzte Wünsche können in verschiedensten Farben einen Gruß für die letzte Reise darstellen. Das Ritual wird meistens vor der Trauerfeier im kleinen Kreis veranstaltet, so dass während der Zeremonie der bunte Sarg sichtbar ist.

Ein Abschiedslied

Musik berührt die Herzen und spricht eine ganz eigene Sprache. Während der Trauerfeier werden häufig Lieder gespielt, die das Leben des Verstorbenen widerspiegeln. Ein ganz persönlicher Akt der Wertschätzung ist es, wenn die Angehörigen selbst für den Verstorbenen singen. Im kleinen Kreis ist dies beispielsweise bei einer Abschiednahme am offenen Sarg möglich, wo die Angehörigen ein letztes Schlaflied vorsingen.